Darstellendes Spiel in der Mittelstufe

Kerncurriculum Darstellendes Spiel/Theater in der Mittelstufe

 

Fachliches Lernen als Erwerb von Kompetenzen 

Darstellendes Spiel / Theater ermöglicht und fördert die Entwicklung persönlicher Lernbiographien, indem hier Lehrende wie Lernende sich in einen strukturierten, aber grundsätzlich ergebnisoffenen szenischen Forschungs- und Findungsprozess begeben. 

Die Gestaltungsfähigkeit des Einzelnen, dessen besondere Fähigkeiten und Leistungen in das präsentierte Ergebnis sichtbar einfließen, wird in diesem Unterrichtsfach gefördert und unterstützt – Theater ist ein lebendiger Ort von Kommunikation und Handeln, Gestaltungsprozesse werden hier immer kollektiv verwirklicht. 

Neben der künstlerischen Gestaltungsfähigkeit rückt auch die Entwicklung von Reflexionsfähigkeit ins Zentrum, da über den Gegenstand, die Form einer Präsentation wie auch über die sozialen Beziehungen in einer Gruppe beständig kommuniziert wird.

Der experimentelle und in weiten Teilen spielerisch ausgerichtete Unterricht als Probenprozess zielt auf eine Ergebnispräsentation. Er gewinnt für alle Beteiligten eine hohe Erfahrungsdichte und kommunikative Relevanz im Hinblick auf eine (Schul-)Öffentlichkeit, indem theatrale Realität in jeder Präsentation neu hergestellt wird.

Dem Fach kommt ein besonderer Stellenwert für soziales Lernen zu. Verwirklicht wird hier neben kulturelle auch soziale Praxis.

Kernbereich 1:  Theatrale Gestaltung

Lernfeld 1:  Körper und Bewegung

Der Körper ist das wesentliche Ausdrucksmedium im Darstellenden Spiel.  Zielsetzung ist es, die körperliche Ausdrucksfähigkeit zu entdecken und zu entwickeln sowie bewusst für den Gestaltungsprozess nutzbar zu machen.

Schülerinnen und Schüler
- erforschen und erproben unterschiedliche körperliche Ausdrucksformen und setzen Körper und Bewegung gezielt als Gestaltungsmittel ein.
 - erkunden und begreifen den Zusammenhang zwischen Emotionen und ihrer äußeren Darstellung in der Bewegung.
 - erfahren körperlich verschiedene Wirkungsweisen unterschiedlicher Kostüme/Kostümteile, erkennen deren Zeichencharakter und setzen diese bewusst ein.
- untersuchen und beurteilen Einsatz und Wirkung körpersprachlicher Mittel bei der Gestaltung von Figuren.
 - erkunden und unterscheiden theatrale körperliche Ausdrucksformen und alltägliche Formen.

 - entwickeln alternative Umsetzungsformen von Bewegung im Raum und setzen diese bewusst ein. 

- nehmen ihren Körper und seine Bewegungsmöglichkeiten wahr.
 - erkennen die Wirkung körperlicher Ausdrucksklischees und handhaben sie.
- erfahren ihren Körper in alternativen Bewegungsmöglichkeiten
 - nutzen die eigene Körpersprache künstlerisch und im Alltag.
 - gehen mit körperlicher Nähe und Distanz um.
- akzeptieren andere in ihrer körperlichen Besonderheit.
 - deuten körpersprachliche Signale anderer und reagieren entsprechend.
 - schätzen ihre Körperlichkeit in der Wirkung auf andere ein und verhalten sich sozial angemessen

 

Lernfeld 2:  Raum

Jeder Ort kann zum Spielort werden. Räume haben jeweils ihren eigenen Charakter, ihre Geschichte, ihren Ausdruck, die in die theatrale Gestaltung mit einbezogen werden müssen. Bühnengestaltung, Licht und gewählte Spielobjekte modifizieren und strukturieren den Spielort.  Zielsetzung ist es, den Spielort beziehungsweise Raum wahrzunehmen, zu erkunden und sich in ihm bewusst zu bewegen. Die Wahl, Bespielung und Gestaltung des Raums werden als zentrale Projektentscheidungen erkannt und genutzt.  

Schülerinnen und Schüler

 - wissen, dass jeder Ort zum Spielort werden kann, und erkennen die Bedeutung eines Spielortes für die Art des Spiels.

 - erkunden im experimentellen Umgang die spezifischen Gegebenheiten eines Spielortes.

- gehen mit einem gewählten Spielort beziehungsweise Raum gestaltend um.

- erforschen die Bildwirkung eines Raumes und experimentieren mit dieser Wirkung. 

- nutzen Raumgliederung, Gruppierungen und Gänge im Spiel.

- vergleichen Raumkonzepte und entwickeln eigene.

- kennen Gestaltungsmöglichkeiten im leeren Raum.

- wählen Objekte gezielt aus und erproben sie. 

- wissen, dass Bühnenelemente das Spiel befördern und nicht behindern sollen.

 - erfahren, dass mit gezieltem Einsatz von Licht Stimmungen und Räume geschaffen werden können.

- beziehen Medien wie Film, Video, Computer, Fotografie in die theatrale Gestaltung mit ein.

- eignen sich den Spielort an.

- wenden Raumerfahrungen bewusst zur Gestaltung an.

 - wissen um die Wechselbeziehung zwischen Raum, Figur und Gruppe.

- sind sich der emotionalen Wirkung eines Raumes bewusst.

- zeigen Verantwortung für den Spielraum.

 

Lernfeld 3: Sprache und Sprechen

Sprache und Sprechen haben wesentlichen Anteil an der theatralen Kommunikation. Stimme, Sprache und Sprechen werden im Zusammenspiel mit dem nicht-sprachlichen Körperausdruck zu einem kohärenten Ausdrucksträger.  

Zielsetzung ist es, mit Stimme, Sprache und Sprechen zu experimentieren, Wirkung von Lauten und Worten zu erkunden und diese bewusst als Gestaltungsmittel im Inszenierungsprozess einzusetzen. Das Spektrum des stimmlichen und sprecherischen Ausdrucksrepertoires umfasst Intensität, Modulation, Artikulation, Dynamik, Tempo, Klangfülle, Klangfarbe und anderes.

Schülerinnen und Schüler

- erkennen den Zusammenhang zwischen Atmung, Bewegung und Stimme und stellen ihn daraufhin bewusst her.

 - experimentieren mit Artikulationsweisen (schreien, flüstern, gedehnt sprechen).  - erweitern und differenzieren das stimmliche und sprecherische Ausdrucksvermögen.  - kennen und wenden die Wechselwirkung zwischen gestaltendem Sprechen und anderen theatralen Ausdrucksmitteln an.

- kennen Stimmveränderungen durch eigene und technische Mittel und setzen sie bewusst ein.

 - erkunden und beurteilen den Einsatz und die Wirkung von Alltagssprache, Dialekten und unterschiedlichen (Mutter-)Sprachen auf der Bühne.

 - nutzen unterschiedliche Arten des Sprechens zur Veränderung der Bedeutung von Sprechinhalten.

 - gehen bewusst mit unterschiedlichen Tempi um (setzen Pausen, nutzen Stille, rhythmisieren Sprache).

- stimmen mit den Spielpartnern Stimme und Sprechausdruck in Redesituationen ab.

 - bringen persönliche Vorlieben ein und akzeptieren alternative Vorschläge.

- verhalten sich in Dialogsituationen kommunikativ angemessen.

 

Lernfeld 4:  Musik, Klang, Geräusch 

 

Musik, Klang und Geräusch sind im Theater wichtige Ausdrucksträger, die insbesondere die emotionale Wahrnehmung einer Inszenierung bestimmen. In der Lebenswelt der Jugendlichen spielt Musik eine besondere Rolle, sie ist ein wesentliches Element der Jugendkultur. 

Zielsetzung ist es, mit Musik, Geräuschen und Klängen zu experimentieren, akustische Qualitäten verschiedener Materialien und verschiedener Musikinstrumente zu erkunden und Musik, Geräusche und Klänge bewusst als Gestaltungsmittel im Inszenierungsprozess einzusetzen.

Schülerinnen und Schüler

 - experimentieren mit den Geräusch

- und Klangqualitäten unterschiedlicher Materialien.

 - entdecken Stimme und Körper als Klang- und Geräuschinstrument.

- erkunden experimentell akustische Qualitäten von Musikinstrumenten.

 - setzen Musik, Klang, Geräusche über Tonträger ein. 

- kennen Musik, Geräusch und Klang als unterstützende, kontrastierende und verfremdende Gestaltungsmittel.

- kennen und nutzen dramaturgische Funktionen von Musik, Geräusch und Klang. 

- nutzen Geräusch, Klang und Stimme zur Schaffung von Räumen, Atmosphären und Stimmungen.

 - entwickeln zu akustischen Impulsen szenische Sequenzen.

- setzen Musik und akustische Elemente gezielt als Gestaltungsmittel ein und überprüfen deren Wirkung.

- wissen, dass Musik mit Erinnerungen und Assoziationen besetzt sein kann.

 - schätzen eigene Vorschläge in ihrer Bühnenwirkung ein.

 - lernen, auf persönliche musikalische Vorlieben zu verzichten, und akzeptieren alternative Vorschläge.

 - lernen durch musikalisches Agieren auf den anderen zu hören.

- sind sich der emotionalen Wirkung von Musik bewusst.

Kernbereich 2: Strukturen theatraler Gestaltung 
Theater ist gestaltete Wirklichkeit. Sie kann von den Schülerinnen und Schülern in einem aktiven Prozess entwickelt werden. Zielsetzung ist es, mögliche Inhalte, Bauformen und strukturierende Elemente zu erproben und zu vermitteln. Ausgangspunkt für ein Projekt können ein Plot, ein Lied, ein Gedicht, Elemente einer dramatischen oder anderen literarischen Vorlage, ein Motiv, ein Ort, ein Objekt, eine Biografie, eine soziale Erfahrung und anderes mehr sein. Eine projektangemessene öffentliche Präsentation ist das Projektziel.

Schülerinnen und Schüler

- erproben und entwickeln unterschiedliche theatrale Formen und reflektieren deren Wirkungsweisen. 
- finden für gruppenadäquate Inhalte eine angemessene künstlerische Form.
- experimentieren mit strukturierenden Elementen (Rhythmus, Verdichtung, Wiederholung, Variation) und kennen deren Aussagemöglichkeiten.
 - sind in der Lage, die eigene gestalterische Arbeit in einem größeren Zusammenhang theatraler Formen zu sehen.
- erproben unterschiedliche dramaturgische Bögen.
- kennen verschiedene theatrale Gestaltungs- und Strukturierungskonzepte.
- entwickeln aus einem Spielanlass (Lied, Text usw.) unterschiedliche Szenen.
- wählen oder entwickeln für eine Präsentation einen dramaturgischen Bogen.
- begründen ihre gestalterischen Entscheidungen.
- können bei fremden szenischen Präsentationen deren jeweilige Struktur erkennen.

- entwickeln die Fähigkeit zur Strukturierung und erkennen eigene strukturierende Fähigkeiten wie auch Schwächen.
- schätzen planerische Stärken wie Schwächen der Mitschülerinnen und -schüler ein.
 - schätzen den Aufwand für ein Projekt in Beziehung zu den zur Verfügung stehenden zeitlichen, räumlichen und personellen Möglichkeiten ein.
- erkennen Parallelen und Unterschiede in der alltäglichen und theatralischen Inszenierung.

 

Kernbereich 3: Theatrale Kommunikation

Die Besonderheit der theatralen Kommunikation ist, dass sie als Begegnung mit Texten, Lebenswelt, einer Theatergruppe und dem Publikum stattfindet. In der gestaltenden Begegnung mit Texten erschließen sich fremde Welten und Perspektiven, die auch einen Zugang zur eigenen Lebenswelt ermöglichen. In Improvisationen kann erfahrungsbezogenes eigenes Spielmaterial entwickelt und umgesetzt werden. Die Kommunikation in der Gruppe und mit dem Publikum dient der Weiterentwicklung der Inhalte und der theatralen Gestaltung. Zielsetzung ist es, für das eigene Anliegen eine künstlerische theatrale Sprache zu finden. 

Schülerinnen und Schüler
 - spüren Leerstellen in literarischen Texten gestaltend auf.
- erspielen sich über zeitliche Aspekte literarischer Texte. 
- erproben eine auch auf das eigene Umfeld bezogene Aneignung.
 - nutzen Recherchemethoden zur Gewinnung von dokumentarischem wie auch biografischem Material und setzen diese in der Theaterarbeit ein.
- präsentieren ein szenisches Ergebnis vor einem (ausgewählten) Publikum und treten in eine theatrale Kommunikation ein.
- treten über ein Publikumsgespräche in einen argumentativen Austausch ein. 

- erfahren, dass die theatrale Begegnung mit Themen und Figuren anderer historischer Epochen oder geografisch wie kulturell entfernter Lebensweisen auch die eigene Person berührt.
- finden für eigene Themen und Fragestellungen eine theatrale Sprache.
- tauschen in der Theaterarbeit eigene Sichtweisen aus und nehmen fremde Perspektiven auf und ein.
 - gewinnen einen aktiven Zugang zu den kulturellen Manifestationen der gegenwärtigen eigenen wie auch fremder Gesellschaften.
 - erkennen und akzeptieren, dass es unterschiedliche Zugänge zu Themen und Texten gibt, die mit unterschiedlichen persönlichen beziehungsweise kulturellen Erfahrungen zu tun haben.
- sind in der Lage, in einen Austausch über eine (künstlerische) Position und Aussage zu treten.
- begreifen und nutzen Theateraufführungen als komplexe Kommunikationssituationen.

Kernbereich 4: Theaterspezifische Arbeitsweisen 

Die vorherrschende Arbeitsweise im Theater ist die Ensemblearbeit, somit entfällt unterrichtlich ein Schwerpunkt auf die projektorientierte Gruppenarbeit als zentrale Arbeitsform. Im Zentrum stehen die Spielerinnen und Spieler, die zugleich Medium sind. Für eine funktionierende Zusammenarbeit ist eine stetige und verlässliche personale, räumliche und zeitliche Präsenz Voraussetzung. Zielsetzung ist es, diese und weitere Grundprinzipien von Theatralität auch in historischen Formen und fremden Produkten heutiger Theaterproduktionen zu erkennen und kritisch zu reflektieren. 

  Schülerinnen und Schüler

 - kennen die Bedeutung wichtiger Theaterspezifika (genaue Beobachtung, ausdrucksstarke Umsetzung, personale, räumliche und zeitliche Präsenz).
- verfügen über eine differenzierte Rückmeldekultur und wenden diese sowohl im Produktionsprozess als auch bei der Rezeption fremder Theaterproduktionen an.
- kennen das spezifische Verhältnis zwischen Spieler/-in und Zuschauer/-in aus beiden Perspektiven und wenden diese Kenntnisse bei der Entwicklung von Szenen an.
 - kennen, bezogen auf ihr Projekt, fremde Theatertraditionen, Epochen, Spielformen und Fachbegriffe und nutzen diese.
- nutzen Kenntnisse über die kulturelle Institution Theater aus Sicht des Zuschauers und des Produzenten.
 - erfahren, dass sie ein künstlerisches Produkt entwickeln und gleichzeitig ein Element desselben sind.
- erfahren, dass sich ihr persönliches Verhalten unmittelbar auf das Gelingen der Arbeit des Ensembles auswirkt.
 - erfahren theaterspezifische Feedbackformen als persönliche Bereicherung und Möglichkeit der eigenen Weiterentwicklung.
- erfahren Theaterbesuche als Teilhabe am kulturellen Leben.


Leistungen und ihre Bewertungen 

Die Leistungsbewertung bezieht sich auf Unterrichtsbeiträge, die in praktischer, mündlicher, schriftlicher und sozial-kommunikativer Form erbracht werden.  

Kriterien und Verfahren

Folgende Leistungen können unter anderem zur Beurteilung herangezogen werden:

  1. Praktische Leistungen :

- Agieren in Warming-ups und vorbereitenden Übungen
 - Darstellerische gestalterische Leistungen in vorzubereitenden Kurzszenen
- Spielpraktische Aufgaben - Agieren in Improvisationen und experimentellen Übungen
- Leistungen in Bezug auf die theatralen Ausdrucksträger Raum, Kostüm, Objekt, Musik
 - Organisatorische Leistungen - Recherchen - …  

  1. Mündliche Leistungen

- Kontinuität, Qualität und Quantität der Beiträge der Schülerinnen und Schüler in Reflexionen und Feedbackrunden
- Mitarbeit, Einsatz und Ideenvielfalt in Unterrichtsgesprächen und Diskussionen in allen Aktionsformen des Unterrichts - … 

  1. Schriftliche Leistungen

Eine schriftliche Arbeit pro Halbjahr, in der es im Wesentlichen um die Erarbeitung szenischer Entwicklungen geht

  1. Soziale und kommunikative Leistungen

- Soziale Verantwortung für die Gruppe und das Ergebnis
 - Engagement und Zuverlässigkeit - Beständigkeit und Ausdauer in der Zusammenarbeit
- Anpassung an kollektive Arbeitsformen
- Aufgeschlossenheit gegenüber neuen Einsichten
- Problembewusstsein bei Gruppenprozessen
- Fähigkeiten im Feedback-Geben und -Nehmen  

Zeugnisnote

Die Zeugnisnote wird nach fachlicher und pädagogischer Abwägung aus den einzelnen Noten mehrerer verschiedenartiger Unterrichtsbeiträge gebildet.